Trails, Pasta
und
Meer
Eine Woche im Bike-Mekka
So vielversprechend der Titel klingt – so sehr liefert diese Reise auch ab.
Finale Ligure war einst vor allem als Hotspot für Kletterer bekannt. Anfang der 1990er-Jahre entstanden die ersten Trails für Mountainbiker:innen, bevor die Region in den 2000ern mit Rennen und dem Ausbau der legendären Nato-Base-Trails endgültig zur Pilgerstätte der Bike-Szene wurde. Die Nato Base ist bis heute einer der wichtigsten Shuttle-Startpunkte der Region – und ein Besuch dort gehört fast schon mehr zum Pflichtprogramm als das Gelati nach dem Ride.
Inzwischen ist das Trailnetz so vielseitig und vernetzt ausgebaut, dass in der Hochsaison täglich hunderte Shuttles Biker:innen aus aller Welt in die ligurischen Berge transportieren. Weshalb also sollte ausgerechnet ein Schweizer Anbieter Reisen in dieses Bike-Mekka anbieten, wo doch bereits so viel Infrastruktur vorhanden ist?
Ganz einfach: Finale ist riesig, abwechslungsreich und teilweise ziemlich unübersichtlich. Die Region ist zerklüftet, die Trail-Kombinationen nahezu endlos und die Schwierigkeitsgrade oft komplett unterschiedlich. Es braucht Know-how, um gute Touren sinnvoll zusammenzustellen – und genau dieses Know-how bringen wir mit. Dominik kennt die Region seit Jahren, Aline war bereits mehrfach dort. Also beschlossen wir 2025, unsere eigene Saisonabschlussreise nach Finale anzubieten. Auch wenn gefühlt „eh schon jede:r mal dort war“.
Oder eben doch nicht?
Zu unserer Überraschung war die Reise innert kürzester Zeit ausgebucht – und einige Gäste waren tatsächlich zum ersten Mal in Finale. Das Feedback zur Erstausgabe war so positiv, dass wir die Reise direkt nochmals für April 2026 ausgeschrieben haben. Und auch diese Woche war schon bald wieder voll.
Was also macht den Reiz dieser Bike-Woche an der ligurischen KĂĽste aus?
Unsere Gäste reisen entweder individuell an oder fahren bequem mit uns im Bus mit. Bis zu sieben Personen finden Platz im liebevoll getauften „Tali-Van“, inklusive Bikes, Gepäck und allem, was man für eine Woche Trails, Pasta und Gelati eben so braucht. Der Pick-up erfolgt entlang der A2 – und ab diesem Moment darf entspannt werden.
In Finale angekommen beziehen wir unsere Apartments mitten in der pittoresken Altstadt von Finale Borgo – oder wie wir sagen würden: mitten im Kuchen. Andere Gäste übernachten auf dem nahegelegenen Campingplatz. Nach einem ersten Aperitivo, dem Briefing und gegenseitigen Kennenlernen bleibt noch Zeit, durch die kleinen Gassen zu schlendern, bevor wir den Abend in einem familiengeführten ligurischen Restaurant ausklingen lassen.
Nach einer ruhigen Nacht startet der erste richtige Bike-Tag mit einem stärkenden Frühstück. Für unterwegs versorgen wir unsere Gäste mit Früchten, Riegeln, Nüssen und Snacks, bevor wir um 9:30 Uhr im ersten Shuttle Richtung Forte Melogno sitzen.
Und dann beginnt das Abenteuer.
Aus logistischen Gründen starten wir direkt knackig – mit dem Trail Ecstasy. Die Highs entstehen dabei weniger durch den Namen als vielmehr durch Speed, Staub und diese kurzen „Oh my god“-Momente zwischendurch. Mit breitem Grinsen rollen wir zurück zum Pick-up-Point, wo bereits der nächste Shuttle wartet.
Zwei Plattfüsse bestätigen einmal mehr: Finale-Trails lieben Tubeless-Reifen. Zum Glück ist Dominik mechanisch so gut ausgerüstet, dass am Abend kurzerhand zwei Bikes auf Tubeless umgerüstet werden.
Danach folgt ein absoluter Klassiker: Roller Coaster. Der Name ist Programm. Die Achterbahn aus Kurven, Wellen und Gegenanstiegen bringt uns ordentlich ins Schwitzen. Markus meint lachend, er sei froh, habe er noch Ohren – ansonsten würde sein Grinsen wohl einmal komplett um den Kopf reichen.
Happy clients, happy guides.
Das Feierabendbier schmeckt nach einem kurzen Sprung ins noch kalte Meer gleich doppelt so gut.
An Bike-Tag Nummer zwei haben wir zwei Varianten in der Hinterhand und entscheiden uns für die etwas einfachere Version ohne Tragepassage. Trotz Shuttle müssen wir uns den Einstieg in den Trail aber erst noch verdienen – rund 250 Höhenmeter pedalieren wir bis zum Start.
Neue Ecke, neuer Untergrund, neue Art von Trails.
Ein Mix aus Wanderwegen, flowigen Anliegerkurven, knackigen Absätzen und etwas Rock’n’Roll bringt uns auf einer vielseitigen Tagestour über rund 33 Kilometer zurück an die Küste.
Wie genau dabei eine Packung Katzenfutter im Rucksack von Aline gelandet ist, weiss seltsamerweise niemand so genau. Auch wenn einige Trails durchaus „nahrhaft“ waren, hatte sie zum Glück genügend Riegel und Früchte dabei, sodass das Katzenfutter seine Reise später in einem anderen Rucksack fortsetzen durfte.
Der nächste Morgen begrüsst uns mit bedecktem Himmel über Finale Borgo. Wir weisen nochmals darauf hin, dass das Wetter in den Bergen oft ganz anders aussieht – und genau so kommt es auch. Oben erwarten uns dichter Nebel und kräftiger Wind. Obwohl einige Gäste zum ersten Mal auf der legendären Nato Base stehen, pedalieren wir möglichst rasch weiter in tiefere Gefilde.
Und plötzlich öffnet sich die Landschaft.
Der Wind vertreibt den Nebel und gibt den Blick frei auf das Meer und die ligurischen Berge. Der Einstieg in den Trail ist schroff genug, dass wir ein Stück schieben – belohnt werden wir dafür mit feinem Schieferuntergrund und Trails, die uns fast „frizzante“ durch die Berge tragen.
Immer wieder folgen kurze Gegenanstiege.
By the way: Wer hat eigentlich das Katzenfutter?
Auf dem Tschungel-Trail vergessen wir beinahe, wo wir überhaupt sind. Bremse auf und los – wie eine wilde Affenbande rauschen wir durch den Wald. Ein weiterer Platten holt uns kurz zurück in die Realität und erinnert daran, dass manchmal eben nicht nur der Körper, sondern auch das Material an seine Grenzen kommt.
Die Schlussabfahrt verlangt nochmals volle Konzentration. Die Aussicht aufs Meer geht dabei fast ein wenig vergessen.
Che bello.
Am Abend heisst es dann: Glykogenspeicher auffĂĽllen.
Eat pasta, ride fasta.
Bike-Tag Nummer vier startet endlich mit blauem Himmel – finalemente!
Heute überlassen wir den Lead unserem lokalen Guide-Kollegen Mario. Er verspricht uns flowige Trails im Hinterland. Der Auftakt bekommt allerdings eher das Prädikat „interessant“, denn ein Gast reisst sich beim Uphill mit einem herumliegenden Ast unglücklich den Wechsler ab.
Teamwork makes the dream work.
Gemeinsam schaffen wir es, den Defekt zu beheben. Kurz darauf bleibt Mario selbst in einer unerwartet tiefen Pfütze stecken und kippt gefühlt in Zeitlupe hinein. Wir verbuchen den Zwischenfall kurzerhand als Wellness-Behandlung – Fangopackung inklusive.
Danach läuft’s.
Und tatsächlich: Der Rest des Tages liefert flowige Trails, die selbst nach Pasta und Kuchen beim Mittagshalt erstaunlich gut fahrbar bleiben.
Abends werden wir im familiengefĂĽhrten Restaurant inzwischen schon fast wie Familienmitglieder begrĂĽsst.
Der letzte Bike-Tag startet mit kurzen Hosen, Sonnencreme und erneutem Shuttle Richtung Nato Base. Heute fahren wir unter anderem einen der ersten Trails, die hier ursprünglich speziell für Mountainbiker gebaut wurden – ein kleines Stück Bike-Geschichte.
Im unteren Abschnitt fordert uns der „Trail der toten Pinie“ nochmals technisch heraus. Wer technische Trails liebt, bekommt hier garantiert ein verschwitztes Lächeln ins Gesicht.
Nach einer kurzen Pause mit Panini und Espresso geht es ein letztes Mal nach oben. Die finale Trail-Kombination widerspiegelt nochmals perfekt die Vielseitigkeit der Region: technisch, flowig, verspielt und mit atemberaubender Aussicht.
Doch Konzentration und Kraft lassen langsam nach. Der eine oder andere testet nochmals kurz den ligurischen Boden.
Zeit fĂĽr Aperitivo.
Salute!
Beim gemeinsamen Abendessen geniessen wir ein letztes Mal die Stimmung der Gruppe, holen uns ein nächtliches Gelati und lauschen Live-Musik in den Gassen von Finale Borgo.
Am letzten Morgen wird der Kaffee beim FrĂĽhstĂĽck bereits automatisch richtig serviert: Cappuccino mit Hafermilch, zweimal normaler Kaffee, Espresso Macchiato und Tee.
Christina kümmert sich gefühlt rund um die Uhr um das Wohl ihrer Gäste – und genau deshalb sagen wir auch nach dieser Reise wieder:
Arrivederci, Finale. Bis zum nächsten Mal.
P.S.: Tinu, kontrollier mal dein Bike. Es könnte sein, dass sich im Werkzeugfach noch etwas Futter für dein Trailcat versteckt.
Aline Rebmann, Mai 2026